Besonderheiten von Traumatherapie

Die Traumaexpertin und Diplom-Psychologin Michaela Huber hat die Besonderheiten von Traumatherapie wie folgt beschrieben:

"Ich glaube, es gibt zwei grundlegende Schwierigkeiten. Die erste besteht darin, dass die Menschen in einer Traumasituation Unerträgliches ganz alleine durchstehen mussten, das sie nicht verdauen konnten, und dabei existentielle Einsamkeit erlebt haben, entfremdet von anderen Menschen.
Das erfordert eine Zugangsweise von helfenden Personen, die speziell wissen, wie sich jemand fühlt, der diese Zustände von seelischer Erschütterung erlebt hat, wie fragmentiert die Person die Situation wahrgenommen und gespeichert hat und wie verzweifelt sie versucht, die Menschen und sich selbst zu verstehen und das Unverständliche auszusortieren. Das ist die eine große Schwierigkeit. Die andere ist, wie arbeitet man mit Wahrnehmungs-, Erinnerungs- und Körpermaterial, das Extremzustände wiederspiegelt, die dem Alltags-Ich entfremdet sind. "

Weiter sagt sie:

"Die Physiologie, also die Körpersymptomatik, ist letztlich immer das Entscheidende, denn das Implizite oder Traumage dächtnis ist vor allem somatopsychisch organisiert. Das heißt, ein Auslöser wie etwa ein harmloser Geruch oder Anblick löst extrem starke Körperreaktionen aus. Dazu kommt, dass Menschen in ihrer Identität, und das betrifft vor allem die komplex Traumatisierten, extrem gestört sind in folgender Hinsicht: diese Menschen haben ein extrem schlechtes Selbstwertgefühl, obwohl sie durchaus viele Kompetenzen haben. Sie haben zahlreiche Bindungs- und Beziehungsabbrüche in ihrer Biographie und sind darüber sehr verzweifelt, sie haben Körperzustände, die sie nicht unter Kontrolle haben, sie können Impulse und Emotionen sehr schlecht regulieren, obwohl sie es verzweifelt versuchen und sie haben Probleme damit, einen Sinn in ihrem Leben zu finden und brechen immer wieder zusammen bis hin zu suizidalen Krisen oder schweren Selbstschädigungen oder Selbstverletzungen. Das kennzeichnet komplex traumatisierte Menschen."

Der Text ist ohne Veränderungen einem Expertinnengespräch mit der Psychotraumatologin Michaela Huber, geführt von Johanna Schwetz-Würth, entnommen. Das gesamte Gespräch finden Sie unter diesem Link.

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Umgang mit eigenen Traumatisierungen

Normalerweise wird Erlebtes vom Gehirn verarbeitet und ad acta gelegt. Negative oder gar traumatische Erlebnisse können jedoch psychische Wunden hinterlassen. Sind diese Wunden geringfügig, kann das Gehirn sie ohne Hilfe bewältigen, so wie der Körper eine kleine Schnittwunde selbständig heilt.

Sind diese Verletzungen allerdings schwerwiegend, können sie die Selbstheilungskräfte des Gehirns überschreiten – das Erlebte wird in unverarbeiteter Form (gewissermaßen in Rohdaten) im Gehirn abgelegt und durch ähnliche Situationen immer wieder unkontrolliert hervorgerufen.
Dadurch kann es zu allen denkbaren Störungen, Ängsten und Blockaden kommen: Das weitere Leben steht im Schatten des Erlebten.

Die psychischen Folgen traumatischer Erfahrungen sind natürlich individuell verschieden. Dennoch weisen Menschen, die unterschiedlichste traumatisierende Ereignisse erlebt haben, eine große Anzahl gemeinsamer Symptome auf: Viele traumatisierte Menschen leiden an einem Symptommuster, das geprägt ist von Schlaflosigkeit und Alpträumen, von sozialem Rückzug und depressiver Interesselosigkeit, von extremer Reizbarkeit und übermäßiger Schreckhaftigkeit.

Für die Behandlung einmaliger Traumatisierung und Posttraumatischer Belastungsstörung reicht ein Ansatz, der relativ kurze Behandlungszeiten erfordert, nicht aus. Vielmehr sollte diese Behandlung in den Rahmen eines phasenorientierten Konzepts eingebettet sein:

  1. Phase: Stabilisierung & Symptomverringerung
    Klienten werden dabei unterstützt, mit dem Alltagsleben besser fertig zu werden. Besonders im Fokus steht hierbei, die mentale Energie zu erhöhen, um Kraft und Raum für die nächste Phase zu schaffen.
  2. Phase: Behandlung der traumatischen Erinnerung
    Durch eine sorgsame Gestaltung dieser Phase erfolgt eine behutsame Annäherung an die traumatische Erinnerung. Hier haben sich Brainspotting und EMDR als sinnvolle und zielführende Methodik erwiesen.
  3. Phase: Integration & Rehabilitation der Persönlichkeit
    Die Arbeit in dieser Phase ist manchmal besonders schwierig, aber unbedingt notwendig. Hier kann mit Vergangenem abgeschlossen werden. Gleichzeitig ist Raum dafür, die neu gelernten Bewältungsstrategien zu üben.

 

Welche Techniken können im Rahmen der Traumatherapie zum Einsatz kommen?

  • Psychoinformation zum Umgang mit traumatischen und traumaähnlichen Belastungen
  • Stabilisierungstechniken
  • Bindungsarbeit und Umgang mit Bindungsstörungen
  • Arbeit mit inneren Anteilen
  • bilaterale Verfahren (EMDR, Brainspotting) zur Traumabearbeitung und Ressourcenstärkung
  • Erlernen von Selbsthypnose
  • Hypnose zur Ressourcenstärkung und zum Verankern des "sicheren Orts"